{"id":11185,"date":"2022-06-20T07:00:09","date_gmt":"2022-06-20T05:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=11185"},"modified":"2022-06-16T20:09:23","modified_gmt":"2022-06-16T18:09:23","slug":"nr-xyz-22-von-fischen-steinen-und-einer-elbkarte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=11185","title":{"rendered":"Von Fischen, Steinen und einer Elbkarte"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11190\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11190\" class=\"size-medium wp-image-11190\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Luettenburg-Hoopter-Seite-90.jpg 1750w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11190\" class=\"wp-caption-text\">Vordestein am Kirchwerder Elbdeich<\/p><\/div>\n<p>Auf Hamburger Gebiet ist er wohl der letzte seiner Art: ein Vordestein, der die Grenze zwischen zwei Fischereirevieren in der Elbe markiert. Er steht am Kirchwerder Elbdeich, nahe der Deichkrone bei Haus Nr. 120, auf der L\u00fcttenburg. Auf dem gegen\u00fcberliegenden Elbufer stehen noch zwei: in St\u00f6ckte am Beginn der Stra\u00dfe Am St\u00f6ckter Hafen und in Fliegenberg am Kreuzdeich. Die Steine signalisieren, dass die Fischereirechte vor Kirchwerder besonders verwickelt waren \u2013 weiter elbauf- wie -abw\u00e4rts kam man auf Seiten Hamburgs wohl ohne derartige Zeichen aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Winsener Elbseite ist belegt, dass die Steine 1775 gefertigt wurden (<a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=042907322\">Otto Puffahrt<\/a>, S. 283), und vermutlich wurden die Steine auf Hamburger Seite zur selben Zeit gesetzt, denn im sogenannten Winsener Vergleich von 1756 hatten die St\u00e4dte Hamburg und L\u00fcbeck sich mit dem Herzogtum Braunschweig-L\u00fcneburg \u00fcber die sieben Fischerei-Vorden vor Kirchwerder verst\u00e4ndigt. Die Grenzen und ihre Markierungen sind auch in einer Karte von 1780 verzeichnet, die sich im Archiv des Museums f\u00fcr Bergedorf und die Vierlande befindet.<\/p>\n<div id=\"attachment_11191\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11191\" class=\"wp-image-11191 size-large\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/P1050869-Hoeper-Sieler-Hauer-V-100-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11191\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt der \u201eCHARTE des Elb-Strohms, n\u00e4mlich vom Zollenspeicher an bis Hamburg &#8230; die sogenannten sieben Fischer-Vohrden, deren Nahmen und Merkmale mit roth punktierten Linien &#8230; richtig angegeben &#8230;\u201c des Capitaines und Elb-Conducteurs Baxmann von 1784 (Original im Archiv des Museums f\u00fcr Bergedorf und die Vierlande, Fotografie Dr. Christel Oldenburg)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fischfang wurde auf der Elbe nat\u00fcrlich auch vorher schon betrieben: die \u00e4ltesten erhaltenen Urkunden der Herz\u00f6ge von Sachsen-Lauenburg (Bergedorf-M\u00f6llner Linie) gew\u00e4hrten Fischern von Kirchwerder-Warwisch Fangrechte (1347), und 1362 erwarben elf Bewohner Altengammes \u201eauf ewig\u201c vom Herzog das Fischereirecht; eine Urkunde von 1377 nennt den \u201eGuldenvord\u201c (<a href=\"https:\/\/resolver.sub.uni-hamburg.de\/kitodo\/PPN729113124_0003_7\">online Heinrich Reincke<\/a>, S. 80): erst kamen also die Vorden, Jahrhunderte sp\u00e4ter die Steine. Doch weder die Grenzziehungen noch die Steinsetzungen konnten Auseinandersetzungen unter den Fischern und zwischen ihren Obrigkeiten verhindern \u2013 es gab schlie\u00dflich Edelfische wie Lachs und St\u00f6r in der Elbe: im Rekordjahr 1775 zogen die Vierl\u00e4nder Fischer gro\u00dfe Lachse im Gesamtgewicht von 14.000 Pfund aus dem Fluss, wie dem \u00fcber Jahrhunderte gef\u00fchrten Bergedorfer Lachsregister zu entnehmen ist (Reincke, S. 74, siehe auch <a href=\"https:\/\/resolver.sub.uni-hamburg.de\/kitodo\/PPN656900784\">online Ernst Finder, Die Vierlande, Bd. 1<\/a>, S. 181ff.).<\/p>\n<p>Reincke schrieb in seinem vor bald neunzig Jahren publizierten Aufsatz, dass sich hier \u201eRechtszust\u00e4nde und Einrichtungen merkw\u00fcrdigster Art l\u00e4nger als ein halbes Jahrtausend gehalten\u201c haben, und obwohl (oder weil?) der Fischfang in der Elbe immer weniger ertragreich wurde, wurden die Streitigkeiten bis in das 20. Jahrhundert fortgef\u00fchrt, wie andeutungsweise dem Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4060\">Die Pl\u00fcnderung der Oberelbe<\/a> zu entnehmen. 1933 urteilte das Landgericht Hamburg, dass \u201eseit unvordenklichen Zeiten\u201c im Hoopter- oder Kirchenvord die Hoopter Fischer auch im hamburgischen Wasser ihre Netze auswerfen durften (Eine ausf\u00fchrliche Schilderung der Historie findet man in einem Artikel des Bergedorfer Rechtsanwalts W. Kellinghusen in der <a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/newspaper\/item\/WIRMPYQXFY2JLGIZK6RXK2TELDZGMM4E?issuepage=9\">(online) Bergedorfer Zeitung vom 15. Juli 1933<\/a>, S. 9-10.) \u2013 \u00fcber Jahrhunderte hatten die Hoopter dort auf ganzer Elbbreite das alleinige Fangrecht gehabt, die Fischer der Kirchwerder Seite konnten nur in der \u201ekleinen Elbe\u201c direkt vor dem Deich t\u00e4tig werden, die in dem Kartenausschnitt oben zu sehen ist.<\/p>\n<p>Es war dies nicht der letzte gro\u00dfe Fischereiprozess: die Nachfolger der 1362 privilegierten Altengammer Fischer f\u00fchrten Klage gegen die Freie und Hansestadt Hamburg, weil der Bau der Schleuse und der Staustufe bei Geesthacht die Fischerei beeintr\u00e4chtigte, und unter Berufung auf die mittelalterliche Urkunde erhielten sie gerichtlich eine Schadenersatzzahlung zugesprochen \u2013 das Recht gilt fort, und wer vor Altengamme in der Elbe angeln will, muss eine Angelkarte erwerben, die der Kasse der seit Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden Fischereigenossenschaft Altengamme zugutekommt (Hierzu auch <a href=\"https:\/\/resolver.sub.uni-hamburg.de\/kitodo\/PPN846060221_0102\">(online) Harald Richert<\/a>, S. 169-171).<\/p>\n<p>F\u00fcr vielf\u00e4ltige Hilfe, Ausk\u00fcnfte und Unterst\u00fctzung bei der Recherche bedanke ich mich bei Dr. Christel Oldenburg (ehemals <a href=\"https:\/\/www.bergedorf.de\/kultur\/museen\/museum-fuer-bergedorf-und-die-vierlande\">Museum f\u00fcr Bergedorf und die Vierlande<\/a>), bei Ilona Johannsen, Heinz Heinecke und Dr. J. Klahn vom <a href=\"https:\/\/www.museum-im-marstall.de\/\">Museum im Marstall<\/a> Winsen bzw. vom Tr\u00e4gerverein des Museums, bei Dr. Caroline Bergen und Christine Eberlein vom <a href=\"https:\/\/geschichts-kontor.de\/\">Kultur- und Geschichtskontor Bergedorf<\/a>, bei Hans-J\u00fcrgen Herr vom F\u00e4hrhaus Altengamme und bei <a href=\"http:\/\/ochsenwerder.de\/marschlande.html#\">Simone Vollst\u00e4dt<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Hamburger Gebiet ist er wohl der letzte seiner Art: ein Vordestein, der die Grenze zwischen zwei Fischereirevieren in der Elbe markiert. Er steht am Kirchwerder Elbdeich, nahe der Deichkrone bei Haus Nr. 120, auf der L\u00fcttenburg. 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