Bekleidungsgeld als Motivator: die Jugendkompagnie Kirchwärder

Bergedorfer Zeitung, 14. Juni 1918

Das war schon geschickt eingefädelt vom „Führer“ der Jugendkompagnie Kirchwärder: anlässlich der Übung am Sonntag sollte den Jugendlichen „Bekleidungsgeld“ ausgezahlt werden – vermutlich wollte er mit dem „Notabene“ einen Anreiz geben, sich an der Übung zu beteiligen, und das wiederum spricht dafür, dass ansonsten eine Reihe von „Jungmannen“ nicht erschienen wäre.

Auf den ersten Blick scheint die Anzeige im Widerspruch zu der Angabe in einem früheren Beitrag in diesem Blog zu stehen, dass die Jugendkompagnie Kirchwärder nie praktische Übungen durchführte (siehe den Beitrag Die Jugendwehr: Papier und Praxis), doch muss kein Widerspruch vorliegen: im Februar 1918 waren in der Gemeinde Preußisch-Kirchwärder alle männlichen Jugendlichen über 14 Jahre vom Gemeindevorsitzenden aufgefordert worden, sich zur Jugendwehr zu melden. Ob mit H. Hüge nur ein neuer „Führer“ eingesetzt worden oder ob es erst 1918 zur Gründung der Ortsgruppe Kirchwärder in der Jugendwehr-Kompagnie 404 gekommen war, ist unklar, aber der Druck von oben (vom preußischen Landratsamt auf die preußische Gemeinde, von der auf die Jugendlichen) zeigte wohl Wirkung, Hüge wurde aktiv, rief seine Truppe zur Übung und sorgte dafür, dass viele kamen.

Bergedorfer Zeitung, 12. August 1918

Unabhängig davon: dass den Jugendlichen Bekleidungsgeld (für die Uniform) gezahlt werden sollte, war ungewöhnlich – eine vergleichbare Meldung oder Anzeige über die Bergedorfer, Sander oder Geesthachter Jugendwehr war in der BZ nicht zu finden. In Bergedorf bat der Führer der Jugendkompagnie, Georg Raven, sogar um „getragene Joppen oder Anzüge für Jungmannen“, was aber auch durch die Schwierigkeit der Beschaffung entsprechender Neuware erklärt werden kann. Ob im Sommer 1918 wirklich „viele“ der Einheit beitreten wollten, ist nicht belegt.

 

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1918 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.