Das ignorierte Jubiläum der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn

Eigentlich ließen Bergedorf und die Bergedorfer Zeitung kein Jubiläum aus (zu zwei 50. Jahrestagen werden im zweiten Halbjahr entsprechende Beiträge im Bergedorf-Blog erscheinen), aber die 75. Wiederkehr der Eröffnung der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn wurde nicht gefeiert.

Im Mai 1842 hatte diese erste norddeutsche Eisenbahn ihren Betrieb aufgenommen, wenn auch improvisiert und notgedrungen. Die feierliche Inbetriebnahme hatte am 7. Mai um 10 Uhr ab Hamburg erfolgen sollen, aber in Hamburg war zwei Tage zuvor der Große Brand ausgebrochen, die Eröffnungsfahrt mit Honoratioren fiel aus.

Stattdessen nutzte man die neue Bahn, um tausende obdachlos gewordene Hamburger aus der Stadt herauszubringen (sogar kostenlos), wie in dem Buch Kultur-und Geschichtskontor (Hrsg.): Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842 bei Geerd Dahms (S. 75-76) und im aktuellen Lichtwark-Heft (Nr. 78, S. 72-87) nachzulesen ist. Ob die neuerrichteten Gebäude des Italienischen Viertels in der Nähe der Bergedorfer Bahnstation als Notquartiere genutzt wurden, ist nicht überliefert. Ihren fahrplanmäßigen Betrieb nahm die Bahn dann ohne Brimborium am 17. Mai 1842 auf.

Bergedorfer Zeitung, 16. Mai 1917

Wie schon 1842 gab es auch 1917 keine Feierlichkeiten, und wiederum wird dies auf die Zustimmung der Bevölkerung gestoßen sein, denn zum  Jubilieren über die Bahn gab es 1917 keinen Anlass, selbst die Königliche Eisenbahndirektion riet von Bahnreisen ab: der gesamte Verkehr war den Bedürfnissen des Militärs untergeordnet – Sonderzüge für den Ausflugsverkehr zu Pfingsten (und auch zu Weihnachten) gab es nicht, und nur wer „notgedrungen“ reisen musste, sollte dies tun. Klagen über „maßlose Zugüberfüllungen“ nahmen im zweiten Halbjahr noch zu, und die Bahn führte zur Reduzierung der Zahl der Reisenden auf die Fahrpreise in Eil- und Schnellzügen einen Zuschlag von im Durchschnitt über 100 % ein (für z.B. eine Fahrkarte von 5 bis 10 M wurden 8 Mark Zuschlag fällig), auch die Tarife für Gepäck und Expressgut wurden verdoppelt. Da weniger Züge fuhren, konnte Soldaten ein verlängerter Urlaub bis zu zehn Tagen gewährt werden – im Gegenzug wurde die Zahl der Fronturlauber halbiert, da sie 70 Prozent der Schnellzug-Fahrgäste ausmachten (siehe BZ vom 11. und 15. Oktober, 20. und 27. November sowie 8. und 17. Dezember 1917). Wat den eenen sien Uhl …

Der diesjährige 175. „Geburtstag“ der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn wird zwar nicht groß gefeiert, aber im auch sonst sehenswerten Bergedorfer Rathaus gibt es eine vom Kultur- und Geschichtskontor organisierte Ausstellung zu diesem Anlass: die Vernissage findet taggenau am 17. Mai 2017 statt, ab dem 18. Mai ist die Ausstellung öffentlich zugänglich (Mo – Do von 9 bis 16 Uhr, Fr. 9 bis 14 Uhr). Eintritt frei.

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1917 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.