Die Kirche St. Petri und Pauli

Kartenausschnitte um Kirche herum 1875 (links) und 1904 (rechts)

Beide Kartenausschnitte zeigen die 1501/1502 erbaute (seit 1542 evangelische) Kirche St. Petri und Pauli – aber im Jahre 1904 war es alles andere als klar, dass dies so bleiben würde.

Schon im 19. Jahrhundert hatte es Abrissdiskussionen gegeben. Gerd Hoffmann zitiert aus den Kirchenakten von 1836: „Die Kirche ist sehr baufällig geworden, sodass sogar Neubaupläne erwogen werden.“1. Offenbar entschied man sich damals für Reparaturen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Erhalt dieses Kirchbaus erneut fraglich. Die Stimmung in Bergedorf wurde beeinflusst durch das starke Bevölkerungswachstum, das auch Folge der Industrieansiedlung war, durch den Abriss alter Bebauung an der Holstenstraße und sicher auch die neogotische Umgestaltung des Schlosses. Fachwerkbauten – und die Kirche war und ist ein solcher! – durften nach § 1 der „Bau-Ordnung für das Städtchen Bergedorf. Publiziert im Dezember 1850“2 nicht mehr errichtet werden, wobei Brandschutz sicher eine Rolle spielte, aber auch der Zeitgeschmack der Bergedorfer Stadtoberen.

Bergedorf, Kirche mit Billebassin

Die „Heliocolorkarte“ um etwa 1900 zeigt rechts der Kirche das „Organistenhaus“, das Geburtshaus des Komponisten Johann Adolf Hasse, und links der Kirche den Turm der Feuerwache.

1902 wurde der Kirchenvorstand in eine schwere Versuchung geführt. Die Darstellung folgt Harald Richert, Streifzüge durch die Bergedorfer Kirchengeschichte3: der langjährige Kirchenvorsteher Heinrich Behr vermachte der Kirche in seinem Testament zwei Grundstücke an der Brauerstraße, sofern sie darauf eine neue Kirche errichtete. 1909 fasste der Kirchenvorstand einen entsprechenden Beschluss, einschließlich Abriss des alten Gotteshauses. Dem massiven Protest des „Vereins für Vierländer Kunst und Heimatkunde“ mit dem spiritus rector Justus Brinckmann und dem Bergedorfer Ortsgruppenvorsitzenden Gustav Glaesz gab man schließlich nach: die Kirche blieb im Zentrum und rückte nicht in die Nachbarschaft von St. Marien.

Ihre eigene Geschichte stellt die Kirchengemeinde im Internet äußerst knapp dar und verweist auf das (in der Tat grundlegende) in Anm. 3 genannte Buch von Olaf Matthes.

  1. zit. bei: Gerd Hoffmann, St. Petri und Pauli zu Bergedorf, in: Gerd Hoffmann / Konrad Lindemann, Kirchen in Stadt und Land. Die hamburgischen Kirchen in Bergedorf, Vier- und Marschlande und Geesthacht, Hamburg 1990, S. 28–36, hier S. 30 []
  2. Bau-Ordnung für das Städtchen Bergedorf. Publiziert im Dezember 1850“. In: Bergedorfer Grundeigentümerverein von 1895 (Hg.), Gesetze und Verordnungen für die Stadt Bergedorf, Bergedorf 1904, S. 1 []
  3. Harald Richert, Streifzüge durch die Bergedorfer Kirchengeschichte, in: Olaf Matthes (Hg.), Kirche zwischen Dorf und Stadt. St. Petri und Pauli zu Hamburg-Bergedorf in der Geschichte, Hamburg 2002, S. 8–25, hier S. 22–23. []
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